Sprache und Schrift

Was liegt näher als fest zu legen, daß die Alamannen, alemannisch sprachen? Gerne wurde die urtümliche Sprache die zwischen Matterhorn und Schwarzwald, zwischen den Vogesen und Vorarlberg als germanische Restsprache gesehen. Seit Johann Peter Hebel die alemannische Kultur und Sprache der Welt offenbarte sah man in dem vielfältigen Dialekt der Schweizer, Elsässer, Badener, Vorarlberger und Schwaben die Sprache welche die Vorfahren bei der Landnahme mitgebracht hatten. Was ist daran war? Welche Sprache wurde von den Alamannen zwischen ihrer suebischen Frühzeit und der frühmittelalterlichen Karolingerzeit gesprochen? Auch wollen wir hier die Sprachen der Goten, Franken, Sachsen und anderer Stämme durchleuchten. Wie unterhielten sich in den Wirren der Völkerwanderung die verschiedenen Völker die zwar verwandt waren, doch unterschiedlicher Zungen mächtig waren? Welche Quellen haben wir?
Alemannisch wird sprachwissenschaftlich zum Althochdeutschen gezählt. Hochdeutsch gehört zu den oberdeutschen Dialekten (alemannisch, bairisch und ostfränkisch). Im Gegensatz dazu stehen die mitteldeutschen Dialekte und die Niederdeutschen Dialekte (Friesisch, sächsisch, angelsächsisch, niederländisch). Die deutschen Sprachen gehören zur germanischen Sprachengruppe. In ihr ist noch der nordische Zweig (norwegisch, dänisch, schwedisch, isländisch) und der ostgermanische Zweig (gotisch, vandalisch, burgundisch)– der ist aber ausgestorben. Doch gerade die gotische Sprache bietet uns die früheste Quelle für die Erforschung einer germanischen Sprache. Im Gegensatz zum Gotischen mit seiner Bibelübersetzung – wir werden später darauf zurückkommen- kann die alemannische Sprache keine größeren Sprachdenkmäler vor dem 8./9. Jahrhundert bieten. Doch fragmentarisch haben wir Runenfunde und einzelne Wörter in lateinischen Texten.
Beleuchten wir erst mal die Herkunft des alemannischen: Die germanische „Ursprache“. Auf die Erforschung und Erläuterung der indogermanischen Wurzel wollen wir hier verzichten, da es sonst den Rahmen sprengen würde.
Das wohl älteste Zeugnis der germanischen Sprache ist wohl der Bronzehelm von Negau: In der Steiermark wurde ein Helm mit einer Inschrift in norditalischen Lettern (die den Runen sehr ähneln) gefunden. Doch die Sprache ist nicht norditalisch oder etruskisch: es handelt sich um eine germanische Inschrift. „Harigast teiwaji up“ hat der germanische Krieger in seinen fremdländischen Helm geritzt. Krogmann übersetzt die Inschrift mit „schmücke Harigast“. Der Helm stammt aus der Zeit der Kimbern-und Teutonenzüge. Tacitus berichtet von Gedenksteinen im germanisch-rätischen Grenzgebiet die mit griechischen Buchstaben beschriftet sind.
Tacitus selber ist auch noch eine Quelle der germanischen Sprache, da er manche germanische Wörter in seiner Germania wieder gibt. Ansonsten haben wir nur spärliche Runenfunde als zeugen der germanischen Sprachen. Die ältesten Runeninschriften stammen aus Skandinavien und gehören an das Ende des 2. Jahrhundert.
Im Kontinent setzen sie erst vereinzelt im 4. Jahrhundert ein. Doch es gibt bei der gotischen Sprachgruppe ein Runendenkmal, welches vielleicht älter sein könnte. Der Ring von Pietroasa gehört zu einem Hortfund welcher in Rumänien gemacht wurde. Man weiß ziemlich genau wann der Ring in die Erde kam: Wohl hat man diesen visigothischen Weiheschatz unter König Athanarich (AÞanareiks) im Jahr 375 vor den einfallenden Hunnen im Hochland von Siebenbürgen vergraben. Wann aber dieser Ring mit seiner Runenritzung hergestellt wurde ist umstritten. Auch ist die Übersetzung der Inschrift selber umstritten: „gutaniowihailag“ Es wurde schon als „Unverletzliches Eigentum der gotischen Schutzmutter“, „den gotischen Müttern zu eigen“, „Der Goten heiliges Eigentum“ etc. Krogmann mutmaßt, daß die Inschrift älter als Wulfilas(geb. 311) Bibelübersetzung ist. Das belegt er mit sprachlichen Vergleichen.
Die Alamannen lebten wie alle Germanen schriftlos. Wissen, Mythen und Epen wurden mündlich überliefert. Das meiste was wir über Germanen bis in die Wikingerzeit wissen stammt nicht aus ihrer Feder. Römer, Griechen oder klassisch gebildete Christen berichteten von den Völkern des Nordens. Selber haben sie nur wenige Runendenkmäler hinterlassen. Die Runen wurden erst zur späten Wikingerzeit zu einer praktischen Schrift. Den germanischen Stämmen waren die geritzten Zeichen heilig und magisch. Schon der Name „Rune“ ist mit dem germanischen Wort für „geheim/Geheimnis“ gleich. Die gefundenen Ritzungen haben sakralen Charakter, sollen Objekte bestimmte Kräfte schenken oder sind einfach nur Banal. So steht auf einem, im niedersächsischen Fallward gefundenem Schemel einfach nur das Wort „Schemel“ (scamella) drauf. Doch ist hier falscher Spott fehl am Platze. Es sollte keine Information sein, daß es sich um einen Schemel handelt: Im Gegensatz zu den griechischen oder römischen Lettern waren die Runen nicht nur Buchstaben. Jede Rune war ein Zauberzeichen mit einer bestimmten Bedeutung und die Tatsache, daß der Besitzer des Möbels überhaupt Runen ritzen konnte machte ihn zu einem mächtigen und weisen Mann. Mit der Ritzung hauchte er dem Objekt Zauberkraft ein.
Man feiert in alten Liedern – dies ist bei ihnen die einzige Art geschichtlicher Überlieferung und Darstellung (…)“ Schon Tacitus berichtet von der Schriftlosen Kultur. Für uns heute erweist sich die schriftlose Kultur der Germanen natürlich als Fluch, doch paßte dieser Umstand zu einem jungen kraftstrotzendem Volk. So wurden Sagen und Mythen über die Jahrhunderte immer wieder neu an die Zeit und den Ort angepaßt. Das beste Beispiel dieser flexiblen, mündlichen Kultur ist das Nibelungenlied. Die Niederschriften des Mittelalters, aber auch die eddische Fassung und die Thidreksaga, lassen den Schluß zu, daß die Zuhörer der langen Epen die vorgetragenen Geschichten bestens kannten. Nur wenige Lieder und Zaubersprüche aus heidnischer Zeit haben dank christlicher Mönche die Jahrhunderte überlebt. Die Zaubersprüche wurden einfach „eingechristet“ und die Heldenlieder von „verdächtigem Material“ bereinigt. So haben wir oberflächlich christliche Heldenepen wie den Beowulf oder das Hildebrandslied, die aber aus tief heidnischer Zeit stammen. Der Schreiber des Hildebrandsliedes war wohl ein nostalgischer Mönch der dieses Lied aus seiner Jugend kannte. Die Zaubersprüche wurden im Original wieder gegeben um sie dann mit einer christlichen Fußnote zu versehen oder es wurden kritische Stellen ersetzt. Manchmal wird es klar ersichtlich wenn die germanische Reimform – der Stabreim- durch den christlichen „Fremdkörper“ gestört wird.
Die Germanen (und später auch die Wikinger) kannten nicht den Endreim. Ihre Poesie wurde in Alliterationen wieder gegeben. Doch das wollen wir bei der „Dichtkunst“ erläutern.
Hier ein Beispiel für die alemannische Sprache aus der frühen Karolingerzeit:

Straßburger Blutsegen
Singula ter dicat


Genzan unde Jordan keken sament sozzon.
to versoz Genzan Jordane te situm
to verstont taz plot. Verstande tiz plot.
stant plot, stant plot fasto!
Vro unde Lazakere keken molt petritto
Tumbo saz in berke mit tumbemo kinde enarme
tumb hiez der berch tumb hiez taz kint
ter heilego Tumbo uersegene tivsa uunda.
Ad stringendum sanguinem


Doch sind haben wir hier Zeitlich die „Alamannia“ überflogen! In der Karolingerzeit gibt es nur noch das Herzogtum Schwaben. Also kehren wir zu der frühen alamannischen Sprache zurück. Hier wollen wir einige Runeninschriften wiedergeben. Manche der Lesarten und Übersetzungen sind sehr umstritten. Noch umstrittener sind die Deutungen. Da wir in diesem Kapitel nur den Corpus der Sprache darlegen wollen, werden wir auf die verschiedenen Deutungen verzichten!


Aigil andi aïlrun (elahu)
Ithu gasokun


Die geläufigste Deutung heißt: „Aigil und Ailrun verurteilen die Hirsche“ Dabei ist das Wort Hirsch/Elch als Binderune geschrieben. Diese Inschrift der Gürtelschnalle aus Pforzen, wird als eine christliche Abkehrformel von heidnischem Brauchtum gelesen. Es wird sich wohl um Hirschvermummung handeln (vergl. „Berserker“ „Ulfhednar“)


Liubi Imuba Hamale bliÞguÞ urait runa


In Neudingen wurde ein Holzstab gefunden auf dem ein Hamal seiner Imuba viel liebes wünscht. Da er wohl selber nicht der Runen mächtig war, hat er sie von einer Blithguth (Blidgund) ritzen lassen.


Asuzdnloamiluk


Diese Inschrift(auf einer Balinger Scheibenfibel) wirft viele Rätsel auf und die heute gängige Deutung von Opitz ist trotz ihrer Akzeptanz sehr gewagt. „Ansuz (Wotan/die Asen) Daniel Amelung (gemeint ist Theoderich der Große der zum Geschlecht der Amelungen gehört hat)“
Opitz meint, bei dieser Ritzung handele es sich um den Propheten Daniel der von beiden Seiten bedroht wird. Der Asengott Wotan als Vertreter des Heidentums und der Ostgotenkönig Theoderich als Vertreter des nicht minder verachteten, ketzerischen Arianismus.


alirguÞ ik feha writ la


Ein Mädchen aus Weingarten trug eine S-Fibel mit dieser Inschrift. Ganz gedeutet ist sie noch nicht: „Ich Feha schrieb“ steht fest.
Umstritten ist die Inschrift der nordendorfer Fibel:


LogaÞore:Wodan:WiguÞonar
Awa:Leubwinie


Klaus Düwel deutet diese Inschrift als eine Abkehr vom alten Glauben: „Lügner sind Wodan und Kampfdonar“ (in der zweiten Hälfte wünscht eine Awa dem Leubwini Glück). Zwei ältere Lesungen gehen so: „Die Heirat ersiege Wodan, weihe Donar“ oder „möge das Grab trocknen, Wodan, weihe Donar“. Für Edmund Weber stellt es eine Göttertrias dar. Manche Forscher setzen Logathore mit Loki gleich. Wigudonar setzen viele mit einem der eddischen Namen Thors gleich: Wingithórr „Kampfthor“. „Wig“ ist Althochdeutsch für „Kampf“.
Eine andere Quelle zur Erschließung der alamannischen Sprache sind die Personennamen und die darauffolgenden Ortsnamen. Wir haben seit den ersten Erwähnungen der Alamannen in den römischen Quellen, über die Geschichte der Merowingerzeit und die an Namen reichhaltigen Schenkungsurkunden der Klöster bis zu den Ortserstnennungen zur Karolingerzeit, einen großen Fundus an Namen.
Folgende Seiten und Nameslisten sind eine Kurzfassung der großartigen Arbeit von Wolfgang Haubrichs. Doch Haubrich verzichtet in seiner Arbeit auf die nicht unerheblichen Namensbestände der St.Galler und Lorscher Urkunden.

Frühe alemannische Personennamen

„Personennamen aus Ortsnamen bieten durchaus ihre Probleme: Einmal sind außerordentlich viele Kurznamen – also etwa Sigo statt Sigmar – zur Bildung von Siedlungsnamen herangezogen worden (…)“
Germanische Namen werden ihrer Form nach in drei Gruppen eingeteilt. Diese werden nach morphologischen und typologischen Kriterien unterschieden.
1: Namen die aus zwei Elementen bestehen (bithematische). Man nennt diese Namen auch Vollnamen. Einfache Beispiele die es heute noch gibt sind z.b.: Siegfried (Sieg und Frieden), Siegmar (im Sieg bekannt) oder Gertrud (Speer und Vertrauen). Alamannische Beispiele dafür gibt es genug: 357 wird der Alamannenkönig Chnodomarius genannt: Sein Name wird ins germanische Hnudo-merja übersetzt, das heißt „durch Schlagen bzw. Speer schwingen berühmt“.
2: Die sogenannten monothematischen Namen. Diese bestehen aus einem Elementstamm. In der Neuhochdeutschen Sprache gibt dafür Beispiele: Karl (Kerl, freier Mann), Frank (frei), Gero (Speer). Auch alamannische Personennamen konnten nur aus einem Element bestehen: Rando war ein Alamannenführer der mit seinen Männern Mainz plünderte. Rando kommt von Randa- „Rand, Schild“. Agilo kommt von agi-„Schrecken“ und hat den –ilo Suffix hinten dran. Es gab natürlich auch Kurznamen die aber von langen Namen abgeleitet waren.
3:Kurznamen, Übernamen oder Cogomina. Aus Agilulf wurde Ago, aus einem langobardischen Herzogs alamannischem Ursprungs Droctulf wurde Drocto oder aus Holzolf einfach Holzi. Interessanter wird es bei den Übernamen. Sie dienen (wie bei den nordamerikanischen Indianern) zur Charakterisierung von Personen. Sie wurden oft als Kriegsnamen – „noms de guerre“ verwendet, oder sollten einfach nur auf einen Beruf hinweisen:
Breito „der Breite“
buari „Bauer“
budon „Bote“
bursta „Borste“
Fogo „der Ordner“
Grano „Spitze“
griubo „dürrer Mensch“
godo „Priester“
hamal „Hammel“
hano „Sänger, Hahn“
horna „Horn“
pfaffo „Pfaffe“
Rupo „Rauffer“
skak, skach „Räuber“
stotz „Koltz, vierschrötiger Mensch“
skrat(o) „Schrat, Waldgeist“
Tunto „der Langsame“
Þeku „dick“

Das Verhältnis der bithematischen Namen zu den monothematischen beträgt bis 700 63% Vollnamen zu 37% Kurznamen.
Bei der Namenswahl gab es natürlich alamannische Besonderheiten, doch sind die semantischen Felder aus denen sie stammen die traditionellen der germanischen gentes:
-Kult und Mythos: ansu- „göttliches Wesen, Heros, Asen“, ingwa- „göttliches Wesen, Fruchtbarkeitsgott“, awja-„Heil“, gud(a)- „göttliches Wesen“, bedja- „bitten“, himila- „Himmel“, wiha-„heilig, geweiht“, maska-„Zauber“. Dieser Bereich ist aber bei alamannischen PN nicht stark vertreten.
-Kampf und Krieg: agis-„Schrecken“, badwo-„Kampf“, bauta-„schlagen“, bilja-„Schwert“, daroÞ-„Wurfspeer“, druhti- „Schar, Gefolgschaft“, fulka-„Schar, Kriegsschar“, grausa-„Schrecken, Grausen“, gremma-„grimmig“, gunÞo- „Kampf“, hadu-„Streit“, halid- „Kämpfer, Held“, harjaz-„Heer, Krieger“, hildjo-„Streit“, hnauda-„schlagen“, sahs-„Kurzschwert“, sagwa-„Krieger“, skafta-„Schaft, Speer“, segu- „Sieg“, steuta-„stoßen“, swinÞa-„stark“, tara-„Kampf“, tain-„Stab, Pfeil“, waka-„wachen“. Auch Kampftiere kommen in dieses Feld, doch die behandeln wir extra.
-Macht und Herrschaft: bant-„Gau, Land“, beuda-„gebieten“, burg-„Burg, Stadt“, doma-„Gericht,Urteil“, friÞu-„Vertrag, Friede“, grundu-„Grund, Boden“, haima-„Heim, Hof“, hurda-„Hort, Schatz“, landa-„Land“, leudi „Mitglied einer gens“, mag-„können, vermögen“, mahti-„Macht“, maÞal-„Gerichtsversammlung“, munda-„Schutz, Vormundschaft“, Þaka- „Schutz“, Þawwa-„Satzung, Brauch“, Þeuda- „Volk“, walda-„walten, herrschen“, wiljo-„Wille, Wunsch“.
-Adel und adlige Werte: aha-„Sinn, Verstand“, ahto-„Beachtung, Aufmerksamkeit“, aizo-/era-„Ehre“, alda-„alt, ehrwürdig“, bliÞja-„fröhlich, mild“, kunja-„Geschlecht, Clan“, kust-„Auswahl, Wertschätzung“, daga-„leuchtend“, dug-„taugen“, fah-„Freude“, geba-„Gabe“, hroÞ-„Ruhm“, hugu-„Verstand, Sinn“, leuba-„lieb, vertraut“, marja-„berühmt“, muni-„Gedanke“, sen-„alt, ehrwürdig“, soma-„passend“, weniz-„Freund“, wita-„Wissen“, wisi-„gut, edel“.
Es gibt einige Erstelemente die auffälligerweise bei den Nachbarstämmen (Franken und Langobarden) sehr verbreitet sind und bei den Alamannen fehlen: Auda-„Besitz“, berhta-„glänzend, berühmt“, gauta-„Mann, Gote“, rada-„Rat“, rikja-„mächtig“ und guda-„göttliches Wesen“. Dazu schreibt Haubrichs:
Drücken sich hier gentile Besonderheiten der Alemannen in der Negation aus? Das Fehlen des in christlicher Adaption längst erfolgreichen Sakralworts guda-„Gott“ kann auch als Reflex eines länger erfolgreichen Heidentums verstanden werden.
Eine Konzentration von 8 Grundwörter nehmen bei 138 alamannischen, bithematischen Namen diese Zweitelemente ein (62% dieser Namen):
-wulfa “Wolf“
-harja „Heer, Krieger“
-rikaz „Mächtiger, Herrscher“
-gis „Pfeil“
-hardu „hart, fest“
-marja „berühmt“
-munda „Schutz“
-walda „Herrscher“
Am meisten vertreten sind in den Textquellen harja, rikaz und marja. Diese Namenselemente erscheinen in verschiedenen Varianten in den alamannischen Königssippen des 4. Und 5. Jahrhunderts: Gomarios – goma-harja „Mann, Krieger“, Hortarius – hurda-harja „Schatz-Krieger“, Suomarius – soma-harja „geeigneter Krieger“, Chnodomarius – „Speer-Berühmter“, Vadomarius- „als Kriegsgänger berühmt“, Fraomarius- „als Herr Berühmter“.
Tiernamen, die der Krieger als „Heilige Waffe“ verwenden sollte und ihm Tierhärte geben sollte sind offenbar erst später zu den Alamannen gekommen. Sie erscheinen erst im 6. Und 7. Jahrhundert.
Es gibt auch eine Anzahl von alamannischen Personennamen die nordische Parallelen haben. Haubrichs weißt dabei auf die Arbeit von Hans Naumann. Er bemerkt, daß Naumann 1912 methodisch differenzierter vorging als manche neuere Studien.
Kat- „Katze“
erpa- „braun“
eupa- „Sproß“
gremma- „grimmig“
haima- „Heimat“
hwata- „scharf“
ring- „Mann, Krieger“
scaft- „Speer“
wurma- „Drache“
Haubrichs erkennt in diesen nordischen Einflüssen keine besondere Bindung zwischen den alamannischen und nordgermanischen Sprachen. Eher handelt es sich um Reste aus der elbgermanischen Vorzeit.
Es gibt auch einen Kreis von Namen die Parallelen nur bei Alamannen, Franken, Baiern und Langobarden haben: baina-„Knochen“, bant-„Gau, Land“, beuda-„gebieten“, blewwa-„schlagen“, braida-„breit“, knut-„keck, verwegen“, kop- „Kopf“, gagin-„gegen“, gok-„Hahn“, greuta- „stoßen“, grundu-„Grund, Boden“, haf- „fassen“, Halid- „Held, Kämpfer“, himila- „Himmel“, mahti- „Macht“, marÞu-„Marder“, maw- „Knabe“, nagla- „Nagel“, pul- „ziehen“, skalka- „Knecht“, soma- „passend“, tain- „Pfeil“, tara- „Kampf“, Þaka- „Schutz“, Þraga- „laufen“, ubir- „über“, wilÞja „wild“.
Es gibt eine kleinere Gruppe die sich noch enger auf das alamannisch-bairische Areal beschränkt: gah- „rasch, jäh“, hreuda- „Pfeil“, huk- „hauchen, keuchen“, lauha- „Hain, Wald“, sat- „sitzen“, sawil- „Sonne“, skrat- „Schrat, Waldgeist“, steuta- „stoßen“, stub- „stumpf“.

Als die Alamannen in das Decumatland langsam einsickerten und sich dann auch Richtung Gallien und dem linksrheinischem Germanien ausbreiteten, kam es zu intensiveren Kontakten mit der gallo-romanischen Vorbevölkerung. Während das rechtsrheinische Land nur wenig römische Kontinuität aufweist, gab es im Elsaß und der Schweiz ein Nebeneinander der Kulturen. Gallus soll im 7. Jahrhundert in Arbon am Bodensee zu Romani gesprochen haben. In einer Urkunde aus Rankwiel wird im 9. Jahrhundert von den Romani und den Alaemanni als ethnische Rechstsubjekte gesprochen. Dieser Kontakt hat sich natürlich auf die Personennamen niedergeschlagen: Romanische PN:
Maurolinus, Uccelenus, Cuttilenus, Dalmatius, Justus, Durolenus und Bobilinus. Manche Alamannen schienen zwischen den Welten zu wandern. So gab es den Hybridnamen Flavimar (vom römischen Kaisernamen Flavius). Manche alamannische Personennamen wurde aufgrund ihrer Aussprache romanisiert. Für Lateiner waren manche germanische Buchstaben unaussprechlich. So wurde aus Wulfin – Ulfin, aus Hrodo wurde Krodo, aus Laikalo verschwand die Diphtongierung und wurde zu Lagalo, aus Wadso wurde Quadso.
Wir haben auch Beispiele aus der Frühgeschichte der Alamannen. Ein alamannischer König bekam für den Namen Urius den romanischen cognomen Ursicinus. Der Bruder des Hariobaudes – der Alamannenkönig Macrianus – trug auch einen romanischen Namen. Den spektakulärsten Namenswechsel vollführte der alamannische Königssohn Agenarichus. Aus wohl religiösen Gründen hieß er von nun an Serapion.
Eine einmalige Namensnennung ist Harja-walis welches im Ortsname Hörvelsingen erscheint. Es kommt von walisa „erwählen“ (got. Walisa: auserwählt, geliebt). Es gibt eine Paralelle im alamannischen Namen Valisa(n) (St. Gallen 741) und im bairischen Namen Welisunc. Interessant wenn man diese Namen mit der Wälsungen/Völsungensage in Verbindung bringt!

Anhang
Alamannische Personennamen bis ca. 700 aus Textquellen und in frühen Siedlungsnamentypen
Aba, Abo, Appo, Apfo, Agis, Agilo, Agenarichus, Agiwulfa, Agjo, Aha, Aho, Ahawulfa, Anhto, Ahto, Ahthardu, Aizo, Airiso, AergunÞ, AirinfriÞu, AlagunÞ, AlirgunÞ, Alizo, Allo, Alako, Alcho, Alamoda, Alamuot, Alamunda, Aldo, Amilunk, Amo, Amaharja, Amheri, Amelkud, Ano, Anagasti, Andharja, Antheri, Andarmarha, Anso, Arogis, Arugis, Arin, Arilo, Aragauta, Argoz, Arwi, Asso, Asleiba, Aski, Asko, Atha, Ado, Aunofada, AunafriÞuz, Aurin, Alaud, AodlinÞ, Audawiniz, Auðilo, Awa, Awjo, Babo, Babilo, Bawo, Bacho, Badso, Badilo, Badheri, Baino, Baldi, Baltheri, Banto, Banzo, Bauto, Bozzo, Bitheridus, Betto, Bero, Birin, Berisilo, Bermari, Birgilo, Birthilone, Berhtoldus, Berhtawalda, Biuddi, Biutti, Billiheri, Bissula, Bisso, Blewan, Bleon, BlitgunÞ, Blidwulfa, Bloch, Bobo, Bochtwulfaz, Bodo, Buodo, Boso, Butilin, Buccelenus, Boto, Bozzo, Buosso, Braido, Breito, Bruning, Buari, Boppo, Bopfo, Boto, Buuriko, Bunno, Burco, Buggo, Burst, Caso, Cazo, Chnodomar, Cnuz, Crocus, Crodobertus, Cuobo, Cuno, Cunilo, Custhard, Dachilo, Daddo, Datto, Daggo, Dagalo, Dagawulfa, Dagolf, Dagaharja, DaroÞ, Dawawolf, Deoto, Deotbaldus, Diufheri, Dikicho, Dizzo, Disso, Doto, Dodso, Dodo, Doffo, Duomo, Duomsklach, Duomhard, Droctulf, Drocto, Druhtiwulfa, Dubo, Dudalo, Dudsalo, Duggo, Dundsilo, Dunzilo, Eberhardu, Etto, Erchanoldus, Erpfo, Eoso, Faho, Fardi, Fuogo, Fraomarius, Fridiburga, Fridurich, Frumoldus, Folkhari, Gaggo, Gacho, Gachilo, Gairri, Gerri, Gamahardu, Gango, Gingo, Gardheri, Gotzbertus, Gawjo, Gibuldus, Giuuldus, Gebavultus, Gebbo, Gerno, Gigo, Ginno, Giso, Gisilo, Gisali, Gisalja, Goggilo, Gogo, Gratzo, Grano, Groso, Grimwolf, Greuto, Greozo, Griubo, Grono, Gruono, Grundi, Goldin, Godafredus, Godo, Gomarius, Gumarit, Gumamunda, Gummund, Gundomadus, Gunzo, Gundwolf, Guppo, Haduwulfa, Hadwolf, Habbo, Happo, Hapfo, Hafo, Hegio, Haggilo, Heido, Hemmo, Haimarad, Halo, Halidwulfa, Heldwolf, Hamal, Hano, Hardilo, Hartheri, Hariobaudes, Haro, Haribreht, Harimar, Herimar, Harjawalisa, Hasso, Hauho, Hiltibodus, Hildigarda, Hiddin, Hittin, Himilo, Hnebi, Hnabharja, Huochingus, Hrabano, Hrabaning, Hreudilo, Hrodoberhta, Hrudilo, Hrokilo, Hudilo, Huding, Hukilo, Huchilo, Hultawulfa, Hundariso, Hundargis, Huni, Hortarius, Horther, Horna, Husibald, Hwasso, Icho, Iho, Idorih, Iglung, Imuba, Irmina, Imma, Ingheri, Isino, Jungo, Laiko, Laicho, Landolf, Lantpertus, Lantfredus, Lando, Lauho, Loho, Longis, Leubo, Leubwini, Leudi, Leudhar, Leudefredus, Liudulf, Maginaldus, Magin, Maggilo, Magarich, Magawolf, Mahtwolf, Malwabauda, Mammo, Marigisa, Marko, Markilo, Marchilo, MarÞo, Masko, Maddo, Matto, Matzo, Mauro, Moro, Mauo, Mawo, Mawicho, Mederichus, Muotheri, Momo, Mundo, Mundarich, Mundawulfa, Mundawalda, Muniko, Municho, Munege, Munigisa, Munigold, Musso, Naglo, Nallo, Nalling, Nando, Nardo, Narin, Nerin, Niuwirida, Niddilo, Obbo, Ofthard, Oto, Otpertus, Ogo, Oso, Pfaffo, Pfaffilo, Pfullo, Ratgozus, Raginstod,, Rando, Randil, Riutilo, Ribilo, Ruodo, Rudilo, Ruodger, Ruotgis, Ruffo, Rupo, Ringo, Sagilo, Sahso, Sarawi, Satjo, Sazzo, Sawilo, Skaftilaika, Skaftleich, Skako, Scacho, Skakilo, Skrezo, Scudilo, Sigila, Sigihelma, Sigirich, Sigimar, Seno, Sindleoz, SinÞilo, SinÞawulfa, Sindolf, Snutilo, Snudo, Snurpilo, Suomarius, Steozheri, Steutilo, Stiuzzilo, Stotzo, Stubheri, Stubo, Subbo, Swarzo, SwinÞbert, , Taino, Tagolf, Tanco, Taro, Theodbaldus, Theutbaldus, Theudo, Tubbilo, Tunto, Þacho, Þachilo, Þalo, Þawawulfa, Þekko, Þragawolf, Þruðhild, Ubirich, Ufthard, Uggo, Ummo, Undo, Upfo, Urius, Uro, Utzilo, Utzman, Uffo, Uogo, Uoso, Uuillimarus , Vadomarius, Vestralpus, Vithigabius, Wachere, Wako, Wacho, Waddo, Watto, Waibilo, Walha, Walhilo, Walbo, Waltramnus, Wando, Wandilo, Weppo, Wibilo, Webila, Westarilo, Widdo, Witto, Witilo, Wiho, Willeharius, Willicharius, Willimund, Willigis, Willirid, Willirich, Wilizo, Winika, Winizo, Winwolf, Wimin, Winmar, Wisigold, Wizilo, Wulfilo, Wurmilo, Wurmhari, Wurmmari, Zaino, Zaro, Zubbilo, Zunzo.