"Furit in uiscera sua gens effrena Maurorum, Gothi Burgundos penitus excidunt rursumque pro uictis armantur Alamanni itemque Teruingi, pars alia Gothorum, adiuncta manu Taifalorum aduersum Vandalos Gepidesque concurrunt (...)" Panegyricus des Mamertinus

Die Völkerwanderung:

Kaum eine Epoche der europäisch/vorderasiatischen Geschichte läßt schwerer einrahmen als die Völkerwanderung. Während man die meisten Epochen der greifbaren Geschichte zeitlich wie auch örtlich ziemlich gut einordnen kann, so ist dies mit der Völkerwanderung nicht so leicht. Dem Mittelalter kann man ein (+ -100 Jahre) Anfang und ein Ende geben. Das Rokoko kann regional gut eingeschränkt werden. Die Zeit des Empire Stils kann man exakt nennen. Warum geht all dies nicht mit der Völkerwanderung? Weil es weit zurück liegt? Weil wir kaum was über sie wissen? Weit gefehlt. Weil es im Ermessen der Autoren liegt der Epoche einen Anfang und ein Ende zu geben. Viele Historiker nennen das Jahr 375 n.Chr.  als Initialzündung. Der Hunnensturm kommt über Europa. Felix Dahn hingegen, beginnt sein Monumentalwerk über die Völkerwanderung bei den Zügen der Kimbern und Teutonen (2 Jhdrt. v. Chr.). Andere wiedrum meinen der Auslöser der Völkerwanderung seinen die Markomannenkriege des Marc Aurel gewesen. Was stimmt nun? Wenn wir es nach der Anzahl der Bücher und Verfechter einer Theorie zählen, so müssen wir das Jahr 375 n.Chr als Startschuß nehmen. So werden sie es, werter Leser, in den meisten populärwissenschaftlichen Werken finden. Doch es stellt sich die Frage: waren die Goten, Gepiden und Vandalen immer im Osten Europas heimisch? Dazu gibt es eine ganz klare Antwort: Nein. Deswegen kann man die Wanderungen von ihren Heimatländern in ihre vorläufige Heimat in den Karpathen, der Ukraine, Ungarn etc. ruhig auch als Völkerwanderung bezeichnen. Auch örtlich wird die Völkwanderung als ein Ost-Süd-Westeuropäisches Phänomen bezeichnet. Natürlich wanderten die Visigothi von den Karpathen und dem Schwarzen Meer nach Spanien! Aber was ist mit der Expansion der Franken? Was ist mit Hengist und Horsa, den ersten Angeln und Sachsen auf britischen Boden? Was ist mit dem Aufbruch der Langobarden, Goten und Vandalen aus Skanzia, dem überlieferten Namen von Skandinavien. Woher kommen die Namen Gotland, Danzig und Schlesien? Und was haben sie mit Namen wie Catalunya, Andalusía oder Lombardei  zu tun?
Wir wollen hier ein bisschen diese faszinierende Epoche durchleuchten. Dafür wollen wir auch die Geschichte der Einzelnen Stämme anreißen und den gesamten historischen Hintergrund nicht außer Acht lassen. Auch werden wir uns auf nicht unumstrittenen Terrain bewegen wenn wir die Frühgeschichte der Hunnen behandeln. Und wann war der ganze Spuk zu Ende? Wann endet der "Migration period"? Etwa mit der Landnahme durch Westgoten, Ostgoten, Vandalen und Sachsen im 5.Jahrhundert? Oder mit den Kriegen des Justinian? Mit der langobardischen Landnahme in Italien? Mit dem Untergang des Westgotenreiches 711? Oder der Vernichtung des Alamannenherzogtums 746? Im 8. Jahrhundert endet auch die Dynastie der Merowinger!
Ganz gewagte Zeitgenossen könnten die verwegene Behauptung aufstellen die Völkerwanderung hat nie aufgehört! Was ist mit den Awaren? Mit den Ungarn? Und die norwegische Landnahme in Island? Was ist mit Al-Andalus? Mit Zehntausenden die in den Kreuzzügen ihr Glück im Morgenland suchten? Was ist mit der Conquista der Spanier? Und mit der Pilgrimfathers? Ist die welt nicht immer in Bewegung? Schieben wir die Verwirrung der Philosophie zu; wir bleiben bei den Fakten und werden einfach die langobardische Landnahme in Italien als Ende der Völkerwanderung nehmen.
Kaum eine Epoche hat das Gesicht Europas so geprägt wie die Völkerwanderung. Aus dem romanischen Gallien wurde Frankreich, aus Etrurien wurde die Lombardei,aus der Tarraconensis wurde Katalonien(Gautalania), aus Teilen der Baetica und der Carthaginensis wurde (V)Andalusien. Britannien wurde englisch, Helvetien alemannisch und Teile Osteuropas wurden von den Germanen geräumt, so daß im Zuge der Merowinger-/Karolingerzeit Slawen aus Rußland sich dort fest setzten. So wie die Antike Süd-und Westeuropa romanisiert hat; so hat die zwischen Spätantike und Frühmittelalter stattfindende Völkerwanderung Europa germanisiert. Dieses Europa finden wir zumTeil bis heute vor. Natürlich haben die germanischen Stämme auf römischen Boden sehr oft ihre Identität verloren, denn im Angesicht der mediterranen Zivilisation und der Entfernung zum Mutterland, der personellen Minderzahl und Anpassungsfähigkeit der Germanen war es nur eine Frage der Zeit, daß aus Burgund ein Latein sprechendes Land wurde, daß sich Westgoten – trotz Verbot- sich mit Hispanorömer vermählten oder daß aus Sueben Galizier wurden. Manche Stämme blieben am Leben: Angeln und Sachsen in Britannien, Alamannen in Obergermanien oder Franken in Westdeutschland, Flandern und Luxemburg. Andere Stämme hinterließen viele Spuren und Einflüsse: Die Norditaliener sind auffallend hell und haben in ihrem Wortschatz so manch ein germanisches Wort, auch auf die Galizier oder die Nordfranzosen trifft dies zu. Weniger Spuren gibt es (aber es gibt sie!) in Roussillion, Katalonien oder Restitalien. Aber manche Stämme leben nur noch in der Erinnerung der Geschichte: Von den Vandalen erzählen nur noch Ruinen. Oder sind die hellen Augen mancher Berber in Nordafrika germanischen Ursprungs?

Hier wollen wir versuchen so kompakt wie möglich diese Zeit zu durchleuchten. Warum zogen alle Stämme los? Wohin ging die Reise? Was wollten sie? Und wo und wie endeten sie?

Spätestens seit Augustus – der vergeblich versucht hatte Germanien zu erobern- war die Grenze zu den Barbaren im Norden gut gesichert. Während nur drei Legionen in Britannien stationiert waren, sicherten fünfzehn Legionen die Grenze zu Germanien und Dakien. Domitian ließ die Agris Decumates sichern. Obergermanien sollte gegen einfallende Stämme gesichert werden.Somit begann die Befestigung der Grenzlinie zwischen Taunus über den Main bis nach Regensburg. So entstand in den römischen Provinzen Germanien, Raetien und Noricum eine lückenlose militärische Grenzsicherung. Wo nicht der Limes, zunächst nur eine Demarkationslinie, dann ein Erdwall um später eine befestigte Grenze zu werden, die Barbaren fern hielt, trenntedie Donau (Flußgrenze: ripae) die Welt der Römer von der Welt der Germanen und Daker. Kaiser Hadrian (reg. 117-138) ließ den Limes mit Palisadenwälle verstärken. Kaiser Commodus baute den Limes weiter aus. Der raetische Limes wurde zu einer 2 bis 3 Meter hohe Steinmauer. Aber vorher müssen wir uns noch mit den Markomannenkriegen des Marc Aurel befassen.

Die Markomannenkriege:

T. Aelius Hadrianus Antonius Pius war einer der wenigen Kaiser die wirklich von seinem Volk, dem Senat und der Aristokratie geliebt wurde. Seine Regentschaft war eine Zeit der Humanität. Er selber lebte nicht in cäsarischer Völlerei. Doch wie so oft erschlaffen unter humanen Regenten Heer und Disziplin. Die Spannkraft des Staates erlahmte und die Schlagkraft der Armee ließ nach. Aus diesem Grund wurde sie immer mehr mit fremden Hilfstruppen durchsetzt. Seinen Nachfolgern, Marcus Aurelius Antonius und Lucius Verus, erwuchs die Aufgabe diese Mißstände zu beheben. Beide traten in die Fußstapfen ihres Vorgängers. Der Senat stimmteder Thronfolge der beiden freudig zu. Der Stoiker Marcus Aurelius war ein Freund der Philosophie und in seinen Heerzügen in Germanien schrieb er sein philosophisches Werk „Selbstbetrachtungen“.Unter ihm wurden die Gladiatorenkämpfe stark eingeschränkt. Doch all diese herrlichen Eigenschaften an ihn halfen ihn nicht den Frieden im reich zu halten. Die außenpolitische Schlaffheit seines Vorgängers hatte an allen Grenzen die Feinde des Reiches aufmarschieren lassen! Der Partherkönig schlug die asiatischen Legionen, die Chatten fielen in das römische Germanien ein, in Britannien drohte ein Aufstand. Doch mit guten Heerführern konnte M.Aurel die Lage in Britannien und Germanien sichern und im Osten sogar das Reich erweitern. Unter seiner Ägide wurde die Provinz Mesopotamia errichtet. Doch diebenötigten Truppen wurden an der Donau abgezogen.Von elf Legionen wurden lediglich drei abgezogen, da reichte aber aus um bei den Markomannen Begehrlichkeiten zu wecken…

Karte des Ptolomaios (135-142 n.Chr.) 

166 überschritten ca. 6000 Barbaren die Donau und verwüsteten Pannonien. Dies war der Startschuß für einen jahrelangen Krieg den erst der Sohn der Marc Aurel, Commodus, beendete. Der erste Ansturm wurde zurück geschlagen um dann Land nördlich der Donau zu sichern. Doch dies gelang nicht. Die Stämme der Markomannen und Quaden bewegten sich zu schnell und überschritten schließlich 170 wieder die Donau. Sie kämpften sich den Weg über Pannonien, durch das Noricum bis nach Italien frei. Auf den ersten Blick sehen wir eine typische Geschichte von gierigen Barbaren und kultivierten Römern. Doch wagen wir genauer hin zu schauen. Ab dem 1.Jahrhundert veränderte der Kontakt mit Rom die germanische Gesellschaft. Nicht nur in Limesnähe wurden römische Produkte gekauft, mediterrane Luxusgüter fanden auch den Weg in die Weiten und Tiefen Germaniens. Jenseits der Oder, an der Nordsee, in Norwegen oder in den Weiten Karpathiens findet man immer wieder römische Waren (z.b. Weklitz/Westpreußen, Hågerup/Dänemark, Øster Hæsinge/Dänemark oder Finnestorp/Schweden). Trotz des gescheiterten Versuches die Provinz Germanien bis zur Elbe auszudehnen (Varusschlacht) hat Rom seinen Einfluss im freien Germanien immer aufrecht erhalten. Die neuen Funde Im Harz zeigen, daß Rom Germanien nie als Niemandsland gesehen hat. Germanen dienten in den Legionen, Germanen in den Provinzen zahlten Steuer, römische Sklavenjäger suchten nach Ware in der germanischen Wildnis. Geary schreibt: „Das Eindringen römischer Handelsgüter und Kulturtechniken in die germanische Gesellschaft hatte tiefgreifende Konsequenzen. Erstens bewirkten die Einführung des Geldes und die Ausdehnung der Märkte für germanisches Vieh, Felle und wohl auch andere Produkte wie Pelze, Bernstein und Sklaven eine Vertiefung der sozialen Unterschiede. Nicht als ob vor dieser Zeit die germanischen Völker in einer utopischen Art von hinterwäldlerischem Primitivkommunismus gelebt hätten; wie wir sahen, weisen die Unterschiede in der Größe der Rinderherden bereits auf eine gegliederte Gesellschaftsstruktur hin. Während diese jedoch belegen, daß einige Germanen das Doppelte und Dreifache ihrer Nachbarn besaßen, trug die nun mögliche Anhäufung von Geld und Luxusgütern aus dem Römischen Reich beträchtlich zur sozialen Differenzierung zwischen den einzelnen Individuen und Familien bei.“ Rom erhoffte sich mit dem Einfluß auf die Fürsten die gewünschte Romanisierung. Was Augustus und Tiberius nicht erreicht hatten, sollten nun Ringe, Glas und Waffen richten. Diese Entwicklung wurde von Roms Regierungsbeamten begrüßt. Man wünschte sich bündnistreue Anführer die Verträge einhielten. Außerdem war es für das Imperium vorteilhaft diese Stämme von römischen Lieferungen wie Eisen, Getreide und anderen Exportgütern abhängig zu machen. Geary folgert: „Insgesamt führte die römische Politik jedoch dazu, daß die germansiche Gesellschaft noch stärker destabilisiert wurde, die soziale und wirtschaftliche Differenzierung sich innerhalb der germanischen Stämme verschärfte und innerhalb dieser Völker pro- und antirömische Fraktionen entstanden(…)“ Diese Entwicklung spaltete Stämme, ließ aber auch immer mehr Großstämme entstehen. Für die Römer waren die Gegner in den Markomannenkriegen die Barbarenstämme der Markomannen und Quaden. Im Jahr 167 n.Chr. sprach der Markomannenkönig Ballomar für mindestens elf Stämme. Die Archäologie kann unser Bild abrunden wenn wir erfahren, daß in Böhmen und Österreich Fundstücke aus Nordgermanien zu Tage gefördert wurden und (wie wir oben schon erwähnten) in Norddeutschland, Dänemark und sogar Norwegen römische Waffen aus dieser Zeit gefunden wurden. Doch nicht nur die für Rom spürbaren Veränderungen veränderten das Bild Germaniens. Langobarden, Ubier drängten nach Süden. Chatten und Chauken zogen nach Westen. Diese Umwälzenden Veränderungen des zweiten Jahrhunderts ließen viele alte Stämme verschwinden und neue „Völker“ entstehen. Wenn man bedenkt, daß das germanische Wort für das was wir unter „Volk“ verstehen „Teut, Thiuda, Tiud etc.“ ist und man das Wort „Volk“ dem Wort „folgen“ beilegt, dann kann man klar erkennen, wie dieses Wort entstanden ist! Daß die Barbaren besonders brutal oder raubgierig gewesen wären, ist auch eine römische Mär. Man bedenke es handelt sich um Kriegsführung ohne jegliche Konventionen, ohne einen religiösen Glauben der zur Rücksicht mahnt. Aus antiken Quellen geht hervor, daß die Griechen jede fünfte Schlacht das Heer der Verlierer massakrierten. Auch die Römer gingen nicht zimperlich mit den Besiegten um. „Vae victis“ heißt es: Wehe den Besiegten! Polybios beschreibt als Augenzeuge wie der römische Heerführer Scipio in Anbetracht der totalen Zerstörung Karthagos in Tränen ausbricht: „Einst wird kommen der Tag, da die heilige Ilios hinsinkt, Priamos selbst, und das Volk des lanzenkundigen Königs.“ Sein Iliaszitat scheint das Ende Roms vorauszusehen. Rom sähte Tod – von nun an begann die Zeit, daß es den Tod ernten sollte.

Marcussäule in Rom: Römer Verwüsten ein germanisches Dorf

Dominat und Soldatenkaiser

Wann beginnt der „Spätrömischer Verfall“? Gab es ihn überhaupt? An was erkennen wir die Dekadenz? Da Verfall und Dekadenz immer von der Perspektive des Betrachters entsteht (meistens in Retrospektive!), wird jeder eine andere Epoche des römischen Reiches als den Beginn der Dekadenz erkennen. Für manche beginnt sie bei den wahnsinnigen Nachfolgern des Augustus! Und andere wiederum – eine heute immer populärere historische Einstellung!- behaupten es hätte nie eine Dekadenz gegeben: Das Reich sei nur an äußeren Feinden kollabiert. Doch schon Zeitgenossen hielten dem Imperium den Spiegel vor. Tacitus erlebte die Diktatur des Domitian: Seine Germania war auch ein Sittenspiegel seiner Landsleute. Im geteilten Spätrom waren es christliche Eiferer die ihr Reich als dekadent prangerten und sich gar über barbarische Plünderungen freuten.
Aus militärgeschichtlicher Sicht beginnt der Niedergang mit den Soldatenkaisern.
Auch wenn manch einer der geneigten Leser, nach germanischen Ruhmestaten lechzend, fragen wird warum man sich mit dem römischen Heerwesen des 3. Jahrhunderts befassen muß, so wollen wir hier dieses Thema etwas intensiver vertiefen. Diese Veränderungen haben eine germanische Invasion überhaupt möglich gemacht. Deswegen sind sie es wert näher betrachtet zu werden.
Der große Militärhistoriker Hans Delbrück sieht gar es hätte im zivilen, wirtschaftlichen und ethischen Bereich keinen Niedergang gegeben. Er konzentriert sich auf einen Grund. Doch dafür müssen wir hier etwas ausholen: Während in den ersten zwei Jahrhunderten des Kaiserreiches die Stadt Rom das Gepräge gegeben. Die Beamten waren Stadtrömer. Das Heer war von Männern mit Bürgerrecht dominiert. Bis dahin war Rom eine Stadt die viele Provinzen besaß die von „Barbaren“ bewohnt waren. Doch hatte ja auch die mediterrane Kultur kräftig daran gearbeitet Gallier, Britannier, Afrikaner oder Spanier zu latinisieren. Aus Barbaren waren jetzt Römer geworden! Mehr und mehr ergänzte sich das Offizierskorps, das Beamtentum, der Ritterstand, ja sogar der Senat aus latinisierten Provinzialen. Doch letztendlich wurden diese Menschen keine echten Römer. Immer mehr Bewohner von den caledonischen Bergen bis zum Tigris fühlten sich Italien und Rom ebenbürtig. Caracalla brachte diese Entwicklung auf einen Punkt: Er verlieh allen Untertanen das römische Bürgerrecht. Die Sprengkraft dieser Entwicklung sollte sich noch klar zeigen!
Doch es gab im römischen System eine Krankheit die der Kaiserkrone mit in die Wiege gelegt worden war: Der römische Weltstaat hat es nie vermocht eine gesicherte, in sich ruhende Obrigkeit hervorzubringen. Cäsar war Feldherr, deswegen wurde er Herrscher. Dies änderte sich in den kommenden Jahrhunderten nicht. Es gab keine wirklich stabile Blutlinie. Delbrück: „Das Erbrecht gab unfähigen und unerträglichen Menschen das Zepter in die Hand; die Erhebung durch Volksregierungen in der Hauptstadt, durch den Senat, durch die Prätorianer, durch Legionen hatte stets den Charakter der Willkür und der Usurpation. Gegen die eine Usurpation setzt sich die andere.“
Jetzt haben wir den immer stärker werdenden Einfluß der Peregrinen auf die Armee. Keine Barbaren. Provinziale Bürger die sich aber nicht als Römer verstanden. Die Stadt Rom hatte ihre Stellung verloren. Mit der Erhebung des ersten Severen, des ersten der Soldatenkasier, Septimus Severus, begann die Erhebung der Provinzen gegen die Herrschaft der Italiker. Der Kaiser ließ die italischen Zenturionen hinrichten, hob das italische Prätorianerkorps auf und ersetzte es durch Ausgewählte aus den Legionen. Hätten sich die Provinzialen als Römer verstanden, so hätte dies die Armee und das Reich gestärkt. Aber jetzt sahen sich viele Illyrer, Orientale oder Afrikaner an der Reihe!
Doch es waren nicht nur die Fremde die die Armee veränderten: Die Soldatenkaiser tragen nicht um sonst diesen Namen. Von den Soldaten zum Augustus ernannt, bedachten diese Kaiser ihre Männer reichlich. Septimus Severus vergrößerte seinen Soldaten die Kornration und erlaubte ihnen mit ihren Frauen zusammen zu wohnen. Auch erhöhte er den Sold. Doch konnte er nicht Regelmäßig zahlen, auch hatte der Dinar an sich viel Wert verloren. Schon seit Kaiser Augustus flossen riesige Mengen an Edelmetall in den Orient. (In chinesischen Chroniken wird von einem Gesandten des Kaisers An-Tun berichtet. War es ein Mann von Antonius Pius?) Deswegen begann die Armee immer mehr auf Naturalwirtschaft umzustellen. Grenzsoldaten bekamen Äcker die sie sogar an ihre Nachfahren vererben durften – sollten diese auch Soldat werden! Somit gab es keinen Dienst in Lager und Kastell, kein Leben in steter Disziplin. Weit verstreut lebten sie in ihren Hütten bei ihren Weibern und bestellten den Acker. Sie kamen nur noch sporadisch zum Dienst zusammen. Somit endet die Legion wie wir sie kennen. Mit dem Ende des dritten Jahrhunderts verschwindet der Zenturio aus den Inschriften. Später erscheint er als Bürobeamter!
Doch zugleich ist mit den Soldatenkaisern der Niedergang des Senates endgültig besiegelt. Nicht mehr der Senat wacht über das Staatsvermögen, sondern der kaiserliche Fiskus.
Sein Sohn M. Aurelius Antonius genannt Caracalla sollte sich auch auf die Truppen stützen. Carcalla sollte viel Zeit und Energie darauf verwenden die Reichsgrenzen an der Donau gegen Goten und Daker und gegen die Alamannen zu verteidigen. Er und auch sein Nachfolger, sein Vetter Alexander Severus, sollten von den Truppen ermordet werden. Mit Alexander wurde die ganze Familie ausgerottet. Somit erlischt die Severerdynastie.

Der Druck wächst

Nun beginnt die Zeit an der die Namen der Alamannen, Goten, Sarmaten, Franken oder Vandalen nicht mehr aus der römischen Geschichtsschreibung zu denken sind. Im frühen 3. Jahrhundert siegten römische Kaiser noch über die Germanen, die es wagten, den Limes zu überschreiten. Nach Caracallas Sieg über die Alamannen gab er sich den Beinamen Germanicus maximus. Dieser Feldzug des Kaisers ist die erste kriegerische Außereinadersetzung des Imperiums mit einem der Stämme der Völkerwanderung. Zu Beginn des Jahres 213 n.Chr. ließ er Rom in den Händen seines Verwandten Sextus Varius Marcellus. Caracalla wollte einen Feldzug gegen Germania Superior und Raetia führen. Am Moenus (Main) besiegte er zusammen mit Suetrius Sabius den bis dahin unbekannten Stamm der Alamannen.

Gleichzeitig wuchs im Osten eine neue, alte Gefahr. Der ewige Feind der mediterranen Kultur – das Perserreich- hatte jetzt eine gemeinsame Grenze mit dem Imperium Romanum. Ob sie Parther, Sassaniden hießen, sie würden ab dem 3. Jahrhundert das Imperium genauso in Atem halten wie die Germanen. Nur waren die Perser sicher keine landsuchende, abenteuerliche „Barbaren“, das Perserreich war älter als das der Römer und an Kultur und Zivilisation ebenbürtig. Der Kampf zwischen diesen Giganten war ein Kampf um die Vorherrschaft in Vorderasien. Der letzte Severer – Severus Alexander- sollte einen Feldzug gegen den Sassanidenkönig Artaxerxes führen. Er besiegte den Herrscher, sicherte die östlichen Provinzen und kehrte mit einem Triumphzug nach Rom wieder. Nur daß Germanen die Abwesenheit des Kaisers nutzten um über Rhein und Donau zu brechen. Alexander eilt an den Rhein und erzielt durch Verhandlungen Frieden. Dies erweckt den Zorn der Truppen. Seit Marc Aurel war es Sitte die Soldaten mit Landzuweisungen zu bezahlen. Die Soldatenkaiser hatten diese Sitte verfestigt. Die Germanen hatten somit direkt die Familien der Legionäre bedroht und wurden vom Kaiser nicht vertrieben. Die Truppe wollte einen Befehlshaber der Taten sprechen ließ. Sie wählten aus ihrer Mitte den thrakischen Bauern Gaius Julius Verus Maximus, genannt Maximus Thrax zu ihren Anführer. Dieser läßt den Kaiser und seine Familie in Mainz ermorden.
Für viele Historiker endet mit diesem Mord die Pax Romana- der römische Reichsfrieden- und es beginnt die Reichskrise. Maximus Thrax ist der erste Barbar auf dem Kaiserthron. Mit ihm geht die Herrschaft der Soldatenkaiser in die entscheidende Phase. Doch die Barbareneinfälle enden nicht. Er führt Kampangen gegen Daker, Sarmaten, Alamannen, Karpen und Goten. Im Jahr 238 fielen Goten in das Reich ein. Sie plündern die Stadt Istria. Wer waren diese Goten? Woher kamen sie? Und warum sollten sie von allen germanischen Stämmen der Völkerwanderung am stärksten ihren Stempel aufdrücken?


Die Goten




Die Goten sind neben den Franken das germanische Volk mit der lückenlosesten Geschichtsschreibung. Nicht daß sie lückenlos sei! Aber im Gegensatz zu den Alamannen oder Friesen haben sich gleich mehrere zeitgenössische Schreiberlinge an das Werk gemacht die Geschichte dieses Stammes nieder zu schreiben. Schon bei Plinius und Tacitus werden die Gotonen erwähnt. Sind gar die Guionen des Pytheas (4. Jhrhdt v.Chr.) die Goten? Ihre eigene Geschichte beginnen die Goten mit der Überquerung der Ostsee. Im ersten Jahrhundert vor Christus landen im Weichselgebiet drei Schiffe aus Skandinavien. Namen wie Gotland, Östergotland oder Göteborg zeugen noch von der Herkunft. Der Überlieferung nach bestimmte das Los, daß ein Teil des Volkes, das überbevölkerte Götaland verlassen mußte. Unter ihrem König Berig verließen sie die Heimat und gingen im heutigen Westpreußen an Land. Sie nannten das Land „Gotiskandza“. Heute heißt die Stadt in diesem Land noch „Danzig“. Sie vertrieben die dort ansässigen germanischen Rugier und 150 Jahre später erscheinen sie auf der Karte zu Tacitus‘ Germania als die Bewohner Ostgermaniens. Für ihn sind die Gotonen das militärisch straffeste Volk der Germanen: „(…)werden von Könige beherrscht, zwar etwas straffer als die anderen Germanenstämme(…)“ Sogar in die Geschichte zwischen Arminius und Marbod sind die Goten indirekt verwickelt.